Es gibt da so ein paar „Lieblingssätze“…

Einer davon: „Macht doch mal ein bisschen Strick zu euren Sachen.“ Was viele nicht wissen: Formstrick ist ein ganz anderes Handwerk als die Schneiderei. Etwa wie der Unterschied zwischen Heizungsbauer und Elektriker.

In meiner Schulzeit gehörte auch ich zu den Mädchen, die die Geduld ihrer Lehrer mit (mehr oder weniger heimlichem) Stricken während des Unterrichts auf die Probe gestellt haben. Diese Kunst hatte ich bis zum Abitur zur relativen Perfektion getrieben und auch danach noch bis zum Beginn meines Studiums beibehalten.

Während meines Studiums zur Textildesignerin an der damaligen Werkkunstschule beschlich mich doch immer wieder das Gefühl, dass diese Nische, der Material- und Oberflächengestaltung, zwischen “echter” Kunst, Grafik und Mode, keinen hohen Stellenwert hat. Spätestens als der Partner meiner Kommilitonin über unser Studium sagte “Heike studiert stricken”, war mir klar, dass das irgendwie nichts Richtiges ist, was ich da mache. Über die Zeit verlor sich die Lust an dieser Technik an andere Herausforderungen.

Deshalb ist Strick zu machen für mich so etwas wie eine alte Liebe wiederzuentdecken.

Seit Jahren schwirrt in meinem Kopf eine Strickjacke umher. Eine unglaublich simple, die trotzdem raffiniert und formschön ist. Eine Strickjacke, die im Winter zu allem geht und in der kalten Jahreszeit einen Blazer ersetzt. Und: die nicht so aussieht, als hätte man sich vom Sofa verirrt!!

Um das zu realisieren, mussten wir erstmal neue Partner finden.

Bereits bei unserer ersten Bulgarienreise im Februar '25 haben wir uns zwei Strickereien angesehen. Die erste war ein Großbetrieb: alles automatisiert, Maschinen bis zum Horizont, nur wenige Menschen. Die zweite war das genaue Gegenteil. Sie bestand quasi nur aus dem Inhaberehepaar: zwei talentierte Menschen auf der Suche nach ihrer Nische. Die einen konnten für uns nichts tun, für die anderen konnten wir nichts tun.

Der Aufbau eines neuen Programms ist für beide Seiten erst einmal eine beträchtliche Investition – mit offenem Ausgang. Das können wir nur mit ähnlich starken Partnern stemmen.

Einen solchen Partner haben wir schließlich in der Nähe von Porto gefunden. Vor Kurzem hat dort die nächste Generation übernommen. Mit einem vielseitigen Maschinenpark und einer eigenen Entwicklungsabteilung im Rücken, hat sich der Nachfolger vorgenommen, sein Erbe zu modernisieren und weiterzuentwickeln. Für uns besonders wichtig: dort arbeiten Menschen, die ihr Handwerk lieben und die stolz sind auf ihr Können.

Als wir bei der Besichtigung dann noch eine seltene japanische Maschine entdeckten, die nahtlos strickt, waren wir hoffnungslos verschossen (zu sehen im Bild oben).

So entstand die Jacke Evi, in einem Stück gestrickt – sogar die Knopflöcher sind eingestrickt! Der Faden ist tatsächlich ununterbrochen. Das ist eine Kombination aus Technik und Können, die getragen eine selbstverständliche Eleganz entfaltet.

Die erste Lieferung von einem neuen Produktionspartner ist immer aufregend. Haben wir gut kommuniziert? Kommt alles wie besprochen?

Nun haben wir Gewissheit. Die Jacke ist genau so geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich möchte sie gar nicht mehr ausziehen, weil sie sich für mich genau richtig anfühlt und sie alles rund macht, was ich im Winter gerne trage. Unsere Kundinnen im Laden in Schlangen haben sich schon eingekuschelt.

Vielleicht magst du dich auch einkuscheln?

Herbstliche Grüße,

Jessica

PS: Danke für eure vielen lieben Zuschriften zu den vorherigen Newslettern, über die ich mich sehr gefreut habe! Leider haben diese E-Mails mich erst nach Wochen erreicht, aber ab sofort gehen alle Antworten direkt in mein Postfach.